Von der Brutalisierung unserer Kinder

Die vermeintliche Abwesenheit von Krieg in unserem Land scheint eine gewisse Sehnsucht nach Gewalt in unserer Gesellschaft hervorzurufen. Das beste Beispiel dafür ist die aktuelle Entwicklung in Berlin. Hier ist mittlerweile von einer regelrechten Verrohung der Gesellschaft zu sprechen. Die Stadt, die vor 12 Jahren noch als easy, tolerant und entspannt galt, wird immer mehr zum Mekka von Egoisten und aggressiven Exzentrikern. Diejenigen, die vor 15 Jahren noch nach Toleranz und Freiheit für ihren Lebensstil riefen, maßen sich nun an, zu nur mehr ihr Ideal zu achten.

Besonders beunruhigend ist im Zuge der Gewaltsehnsucht die Inanspruchnahme der kindlichen Unschuld. Doch, wenn uns der Schutz unserer Kinder vor Gewalt nicht einmal mehr am Herzen liegt, in welche Richtung entwickelt sich dann unsere Gesellschaft?

 

Montag, 04.09.17

Willst du eine Knarre oder lieber einen Panzer? 

Eltern sind ein beliebte Zielgruppe, nicht nur für die Textil- und die Lebensmittelbranche. Der umkämpfte Printmarkt versucht, Eltern auf der Ebene der Ratgeber genauso abzuholen wie im Bereich der Kinderzeitschriften. Und der Zeitschriftenmarkt ist ein umkämpfter, das zeigt sich vor allem auch bei den Kinderzeitschriften. Die Zeitschriften sind nicht nur eine bunter als die andere, nein sie platzen fast aus dem Regal, weil jede von Ihnen mindestens mit einem Give-away auftritt.

Die Strategie geht auf. Ab dem Alter von etwa drei Jahren beginnen Kinder normaler Weise, sich aktiv am Einkaufsprozess der Eltern zu beteiligen. Die finden die Milch, die immer gekauft wird, suchen nach mindestens zwei drei Süßigkeiten, die sie in den Wagen werfen können und schauen bei Zeitschriften immer häufiger nur mehr auf die zusätzlichen „Geschenke“, die sie bei einer Zeitschrift bekommen. Der Inhalt rückt damit immer stärker in den Hintergrund. Das Kind baut keine Beziehung zu einer Zeitschrift auf, sondern wird auf das Give-Away konditioniert.

Kinder verinnerlichen so, dass sie für das Lesen von Zeitschriften kleine Geschenke erhalten. Sie freuen sich nicht auf die Zeitschrift an sich. Noch viel problematischer als diese Verschränkung ist jedoch die Werthaltigkeit der Give-aways. Ein Blick in das Zeitschriftenregal für Kinder zeigt, dass jede Woche mindestens 80 Prozent der Zeitschriften ein kleines Geschenk bereithalten, welche im Zusammenhang mit Gewalt gesehen werden kann. Pistolen jeglicher Art, Armbrüste, Hammer, kämpfende Ritter und Ninjagos sind ständig zu finden. Es entsteht der Eindruck, dass sich Gewalt bereits bei kleinen Kindern in den Augen der Verlage am besten verkaufen lässt.